c!ang #4 Besprechung

Here is a review of that c!ang #4 Yamaha CP70 concert. (Unfortunately only in German available)

Und hier eine Konzertkritk/Nachbesprechung zu dem Konzert vom 04. September 2015 von SWEN Buckner:

c!ang #4.2
Tom Blankenberg – Piano

Tom Blankenberg begann im Jahr 2007 Miniaturen am Piano zu entwickeln. Oft wanderte er dabei von einem Piano zum anderen (wovon es in seinem Tonstudio und dem benachbarten seines Zwillingsbruders einige gibt) und begab sich somit auf ungewisse Klangreisen, denn nichts klingt bei diesem Halt so wie beim letzten – und vielleicht gibt es gar keinen echten Halt bei dieser Methode, wenn es da nicht sein (eben dieses!) Yamaha CP 70 gegeben hätte. Dieses E-Piano (besser gesagt: dieser E-Flügel) stand jahrelang in seiner Wohnung und wurde häufig erst zu später Abendstunde konsultiert und dabei trocken, d.h. ohne Verstärker, gespielt, um weder Mitbewohner noch Nachbarn zu belästigen. Dadurch müssen diese leisen, sehr nachdenklichen Versionen seiner Miniaturen entstanden sein, die er nun erstmals am CP 70 als Improvisationen aufführte – also an dem Klavier, an dem sie maßgeblich fertiggestellt worden sind. Für c!ang #4 hatte er sich eine sehr fein gewählte Balance aus Instrumenten-Eigenklang und ein wenig Verstärkung überlegt, um der etwas größeren Raumsituation gerecht zu werden. Mit zwei Kleinmembran-Mikrophonen (Neumann KM184) wurden aus der Nähe die Piano-Saiten abgenommen und ein drittes Signal kam vom Audio-Ausgang des CP 70, also von den Pick-Ups. Alle drei Signale wurden an einem kleinen Mischpult (Yamaha MG 102c) aufeinander abgestimmt und über zwei Genelec 1031A Aktiv-Nahfeld-Monitore abgegeben, ohne den Eigenklang des Pianos im Raum signifikant zu verfremden. Mit wenigen Gesten gelang es Blankenberg, das Publikum am Atmen zu hindern und geschickt um seine Finger zu wickeln. Mit angehaltener Luft wurde das Auditorium mal in melancholischer Langsamkeit, dann in komplexen Harmonien mit Anleihen wahlweise aus Klassik oder Jazz gebadet, wobei es dem Pianisten eine schelmische Freude bereitete, die Erwartung des Bekannten (also zuvor Gespielten) mit geringen Abweichungen im kleinen Sekundenbereich effektvoll zu enttäuschen. Blankenberg bezeichnet seine Miniaturen manchmal auch als Klavierkurzgeschichten, musikalische Sofortbilder oder Kalenderblätter. Zusammen mit den vorbeifahrenden Zügen drängten sich fast filmmusikalische Assoziationen auf. Nach frenetischem Applaus und einer umgefallenen Bierflasche gab es noch eine kleine Zugabe. Das Sustain-Pedal quietsche und uns wurde klar: Das Piano ist ungefähr so alt, wie die Fussball-Weltmeisterschaft in Argentinien, Siegmund Jähns erster Flug ins Weltall oder der Dienstantritt von Papst Johannes Paul, egal ob I oder II.

Tom Blankenberg (*1970 in Düsseldorf) genoss als Kind Musikunterricht und entdeckte früh seine Leidenschaft für Klangerzeugung und Aufnahmetechnik. Nach dem Abitur begann er als freischaffender Toningenieur zu arbeiten und war jahrelang Mitglied diverser Bands (u.a. Subterfuge). Seit 2010 betreibt er die Convoi Studios, Düsseldorf, und arbeitet als selbständiger Toningenieur, Sounddesigner, Komponist, Improvisateur u.v.m. (_sbuck)

 

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Von links nach rechts: Tom Blankenberg, Axel Ganz, Franklin Berger
Foto: Swen Buckner

 

 

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